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Mére Marie Chrysanthe de Jésus - Felizitas von Hutter

2010-06-12 Michaela GEHART

 


 

 

    Sie wurde am 29. August 1894 geboren und erhielt den Namen Felizitas. In jener Zeit war ihr Vater Diplomat in Budapest. Mit ihren vier Geschwistern wurde sie sehr streng erzogen, mit striktem Stundenplan, strengem, fast spartanischem Lebensstil, sei es Ernährung, Gewohnheiten etc.

    1915 trat eine ihrer Schwestern bei den Ordensfrauen vom  „Sacré Coeur“ ein. Eine weitere Schwester will ebenfalls in ein Kloster eintreten: zu den Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens. Bei einem gemeinsamen Besuch dieses Klosters, entschloss sich Felizitas „wie aus heiterem Himmel“ auch einzutreten und beide Schwestern begannen am 4. November 1919 das Noviziat. Felizitas erhielt dabei einen neuen Namen: „Marie Chrysanthe de Jésus“ (goldene Blume).

                                                                                                                                                                     

    Im Februar 1920 wurde sie mit anderen Novizinnen in das Noviziat von Grottaferrata, in der Nähe von Rom, gesandt. Der Krieg hat Österreich verwüstet und es herrschte soviel Armut, dass sich die Ordensoberinnen entschlossen, einige der jungen Schwestern in die Klöster andere, reichere Länder zu schicken.  

   

    Am 18. Dezember 1921 legte M. Chrysanthe ihre ersten Gelübde ab. In dieser Zeit der Ausbildung, die zunächst monoton schien und einfache Arbeiten zu tun waren, entdeckte sie laut eigenen Worten „das innere Leben“, das vom ersten Tag an ihre Freude und Kraft wurde: „Ich wusste nicht, welche große Intimität mit Gott bestehen kann… Die Güte Gottes hatte mich zutiefst erschüttert“.  

   

    Am 25. Februar 1923 wurde sie mit 9 anderen Schwestern in die Mission gesandt. Sie erhielt ihre Bestimmung für China und ging nach Tiensin, in den Hopeh, wo auf sie ein Kolleg und ein Pensionat warteten: 350 Jugendliche der höheren städtischen Bevölkerungsschicht – Chinesen wie Ausländer. Sie gab Sprachkurse, unterrichtete Klavier und allgemeine Fächer.

                                                                                       

    In der Folge wurde sie in verschiedenen Gemeinschaften Chinas eingesetzt und 1928 wurde sie Oberin der Gemeinschaft von Tsing chow fou. Sie organisierte die Arbeit und das Leben der Schwestern von Grund auf neu. Ihre große Freude war es eine Gemeinschaft mit 17 Oblatinnen (Laienschwestern) – chinesische FMM – vorzubereiten.

                                                                                 

    In dieser Zeit wurde China von tausenden Konflikten heimgesucht. Die Kämpfe erreichten sogar die entferntesten Dörfer: Schrecken, ein hoffnungsloses Entkommensuchen, Verlust von allem: Haus, Güter, Ernte und sogar das Leben. Es wurden Ambulanzen für die vielen verletzten Soldaten eingerichtet. M. Chrysanthe ging mit ihren Schwestern überall hin und erhielt die nötigen Erlaubnisse. Jeden Morgen gingen sie in die improvisierten Spitäler, besuchten die Verletzten, hörten jenen, oft noch sehr jungen, mit dem Tod ringenden Männern zu, halfen ihnen in Frieden zu sterben…

                                                                                   

    1937 wurde sie zur Provinzvikarin ernannt. Sie war nun der rechte Arm der Provinzoberin dieser immensen Region, wo die Schwestern Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens 25 Werke und 13 Missionsposten hatten, die eine von der anderen Tausende von Kilometern entfernt waren.

                                                             

    Im August 1938 brach eine Choleraepidemie in Itchang aus und es gab jede Woche Tausende von Toten. Die Schwestern halfen überall. Aber eine noch schlimmere Katastrophe suchte China heim: der Einfall der japanischen Armee, der sich die Armee des Tchang Kai Chek widersetzte: Bombardierung, Morden, Verletzte... Die Schwestern suchten den Menschen inmitten dieses Horrors zu helfen: sie begruben Tote, pflegten Verletzte, versorgten Hungernde, sprachen zu den Sterbenden von Gott.

                                                                                                       

    In dieser Krisenzeit wurde sie zur Provinzoberin ernannt. Von Oktober 1945 bis Dezember 1946 bereiste sie trotz der herrschenden Unruhe alle Gemeinschaften, um Kontakt aufzunehmen und die Situationen im Einzelnen kennenzulernen.

                                                                         

    Zu Beginn des Jahres 1948 begann die rote Armee des Mao Zentralchina zu erobern. Am 1. Oktober 1949 verkündete Mao die Gründung der Volksrepublik China. Ab 1950 richteten sich die kommunistischen Strukturen in Städten und Dörfern ein, in allen Gesellschaftsschichten, in allen sozialen Milieus. Die Methoden änderten je nach den Umständen: an einigen Orten war es ein brutales Überrollen, an anderen eine langsame Infiltrierung. Sobald sich aber die Partei fest eingerichtet hatte, entfernte sie ihre Maske und begann mit ihrer Schreckensherrschaft. Niemand hatte das Recht zu denken, einzig die Partei diktierte, was gesagt oder getan werden sollte. Der geringste Widerstand wurde gebrochen, Gewalt angewendet: Gefängnis, Enteignung, Hinrichtung ohne Gerichtsurteil, Volksgericht, Denunzierung, Aufzwängen der Doktrin: intensives Studium der marxistischen Philosophie, wissenschaftliche Erklärung des Universums, des Ursprungs und Zwecks der Welt, die Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution, Anwendung von praktischen Methoden wie Selbstkritik, öffentliche Bekenntnisse, Massenhypnotisierung, psychologischer Zwang, Zerstörung der Einzelpersönlichkeit.

                                                                                           

    Nach und nach wurden unter dem Vorwand des Wohls für den Staat und des Volkes Schulen, Waisenhäuser, Kultstätten geschlossen. Hunderte von Missionaren, Priester, Ordensleute wurden festgenommen, verurteilt, des Landes verwiesen. Dutzende von Priestern, Bischöfe starben. Schließlich kamen alle Schwestern der Gemeinschaft, an der Spitze M. Chrysanthe, vor das Volksgericht und wurden festgenommen.

                                                                               

    M. Chrysanthe schrieb ausführlich über ihre 121 Tage im Gefängnis:

                                                                                                                                                                                     

     „Die Wächterin öffnet das Vorhängeschloss und heißt mich eintreten. Ich bin in einem Raum, in dem ich 121 Tage sein werde. Ich bin die Nummer 4… Eine Gruppe von Frauen allen Alters sitzt im Kreis barfuss auf dem Boden. Ein liebenswürdiges junges Mädchen steht einer Art Unterweisung vor, die bei meinem Eintritt unterbrochen wird. Sie beeilt sich, meine Schüssel und meine Stäbchen in einen weißen Schrank zu stellen. Ich entdecke in einer Ecke eine Tonne, die in der Mitte durchschnitten wurde und zwei Löchern an beiden Seiten hat, um einen Stock durchschieben zu können, und die Tonne zu leeren – kein Zweifel, das WC… Ich errate, dass mir nichts anderes übrig bleiben wird, als diese Prozedur zu akzeptieren und mich zu überwinden.

     Das junge Mädchen richtet ihr Wort an mich, zeigt mir meinen Platz und befiehlt mir, in Frieden zu bleiben. Es ist verboten zu weinen. Die Ordnung ist auf der Mauer befestigt und beinhaltet 21 Punkte, die ich nach und nach auswendig lernen werde.

     Zu Mittag kündet ein Pfiff die Stunde der Mittagsruhe an: alle strecken wir uns auf dem Boden aus: 10 auf einer Seite, 10 auf der anderen und vier in der Mitte. Das Paket mit den persönlichen Sachen dient als Kopfkissen…  

     Um 2 h nachmittags, neuerlich ein Pfiff um aufzustehen, sich in den Kreis zu setzen und eine Indoktrinierung auf über sich ergehen zu lassen. Um 4 h gibt es meine erste Mahlzeit im Gefängnis. Auf 5 Gruppen aufgeteilt, nimmt jede ihren Platz ein und gebückt wie die Bettler auf den Strassen, erhalten wir eine Portion Reis – entweder trocken oder mit Wasser und man muss alles aufessen. Ich bekomme die verrückte Idee, dass ich meine Portion nicht beenden könne. Ich bitte nur um die Hälfte. Morgen werde ich Reis mit Wasser nehmen.

     Der Arzt macht seine Visite. Ich erkenne ihn und ich meine sein Mitleid sehen zu können, dass er mir sicher nicht zeigen darf. Meine Zellengefährtinnen fürchten nicht, mir ihre Sympathie zu bekunden und die Wächterin ist über meine Anpassungsfähigkeit erstaunt.

     Nach dem Essen muss ich meine Toilette im besagten Behälter machen… Anschließend vergehen lange Stunden im Kreis sitzend. Gegen 8 Uhr kündet ein Pfiff die Nachtruhe an. Eine halbe Stunde später wird Signal zur absoluten Stille gegeben. Endlich kann ich in Frieden über meine Situation nachdenken.

     Trotz aller Traurigkeit würde es nichts nützen zu weinen. Ich opfere alles Gott, mit allem, was kommen wird, bekannt oder unbekannt. Ich vertraue ihm meine Gefährtinnen der Mission an und ich stelle mir ihre Besorgnis vor, wenn sie die Nachricht meiner Inhaftierung erfahren. Große Dinge erfordern große Opfer. Es scheint mir, dass Er selbst mir das Programm vorgibt: in tiefer Einheit mit ihm zu leben, wie es unsere Lebensregel sagt: „Sie werden ihr Gebet in der Gegenwart des Herrn leben. Diese Einheit des Geistes und des Herzens mit Jesus Christus soll sie überallhin und in allen ihren Werken begleiten.“ Es ist ganz einfach.

     Die Kommunisten meinen, uns alles wegzunehmen, wenn sie uns Kreuz, Rosenkranz, Medaille nehmen, die doch nur „Erinnerung“ daran sind, dass wir in der göttlichen Gegenwart leben, die uns keiner rauben kann. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, Opfer zu sein, Anbeterin und Missionarin. Zur  Missionsarbeit gehört: ein gutes Beispiel geben, Taten der Nächstenliebe, sich gegenseitig zu unterstützen, sich selbst zu vergessen, die Geduld, das Befolgen der Regel, die Sanftheit, die Demut, sind die besten Predigten. Vor dem Weckpfiff Meditation, Gebet, im Geist allen Messen der Welt beiwohnen. Nach der persönlichen Toilette, Anbetung, Rosenkranz, franziskanische Couronne. Kontemplativ in diesem von Ihm gewählten Karmel und aktiv durch das Beispiel. Eine Franziskanerin Missionarin Mariens 100 Prozent …

                                                                                                                                                                         

    Schließlich erhielt sie das „Dekret“ ihrer Landesverweisung. Gemeinsam mit anderen Missionaren reiste sie unter Bewachung quer durch China und kam am 2. Dezember 1951 in Rom an, nicht ohne vorher noch einen langen Brief an ihre Schwestern der Gemeinschaften von China geschrieben zu haben. Viele ihrer Schwestern wurden in andere Länder zerstreut. Die chinesischen Schwestern wurden in Arbeitslager gesteckt oder mussten in ihre Familien zurückkehren.

                                                                                                                                                                           

    Das Jahr 1952 wurde für sie eine Zeit der Wiederentdeckung Europas: Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien. Monate der körperlichen Erholung und Ruhe an den spirituellen Orten des FMM-Charismas, um sich geistlich zu erneuern.

                                                                                                                                                                           

    Ende des Jahres 1952 wartete eine neue missionarische Aufgabe auf sie: vier Gemeinschaften in Indonesien und sechs in Australien wurden in eine neue Provinz zusammengefasst, die den Namen „Mission des Unbefleckten Herzens“ tragen sollte und zwei große Regionen umfasste: Singapur und Malaysien. Nach 8 Jahren unermüdlichen Reisens und Besuchens, Planens der Missionen dieser Provinz, wurde sie im April 1960 nach dem Generalkapitel der Kongregation zur Generalvikarin des Instituts ernannt und gemäß der damaligen Organisation auch Oberin des Generalhauses, das ungefähr 160 Schwestern zählte. Auch in diesen Aufgaben schien sie unermüdlich.

                                                                                                                                                                         

    Doch ab März 1962 verschlimmerte sich ihr Gesundheitszustand und sie musste notoperiert werden. Sie erholte sich zwar rasch und kehrte schnell zu ihren vielen Tätigkeiten zurück. Aber die Ärzte hatten Krebs diagnostiziert. Sie verlebte ihre letzten Wochen in der Krankenabteilung des Klosters von Grottaferrata.

                                                                                                                                                                           

    Sie starb am Ostersonntag, dem 14. April 1963. An diesem Tag, genau vor 12 Jahren, war sie in China durch den Hass der Menschen gerichtet worden. An diesem Ostermorgen wurde sie durch die Liebe gerichtet.

                                                                                                                                                                               

    Hier einige ihrer Gedanken:

                                                                                                                                                                             

Gott liebt uns, so wie wir sind, mit all unserem Versagen und unserem Elend. Auch wenn uns unser Leben nur wie Stückwerk vorkommt, Er ist immer da. Man entflieht ihm nicht, nicht ein einziger unserer Gedanken oder innersten Bewegungen.  

                                                                                                                                                                           

Wir wollen viele Dinge tun, dieses und jenes, aber wir denken nicht, dass das einzig Notwendige darin besteht, Gott in uns nach SEINEN PLÄNEN arbeiten zu lassen.

                                                                                                                                                                               

Ich liebe nicht sehr den Gedanken, sich in Gott wie in einen Mantel einzuhüllen, der von der Welt isoliert. Das lässt an Egoismus denken, während unser missionarisches Leben sich ausbreiten und Einheit schaffen soll. Mäntel schützen nur vor dem Regen.

                                                                                                                                                                                                                       

Die Armut besteht nicht einzig darin, nichts zu besitzen. Sie ist eine tiefe Haltung, die uns drängt, mehr und mehr auf den Gebrauch der Dinge zu verzichten.

                                                                                                                                                                 

Die Ärmste in der Gemeinschaft, ist diejenige, die allen zur Verfügung steht und die allen zu Diensten ist. Sie beansprucht niemals Zeit für sich selbst oder für das, was ihr von Natur aus gefällt.

                                                                                                                                                                           

Die wahre Spiritualität besteht nicht im Tun von guten Werken, sondern vielmehr im Schweigen unseres Seins in Anbetung vor Gott… sie besteht darin, immer sich dessen bewusst zu sein, dass Er ist und dass wir nichts sind. Er ist das Zentrum, zu dem alles strebt und zu dem wir alle unsere Handlungen hinlenken.  

                                                                                                                                                                                                                                                                       Möge das Leben von M. Chrysanthe de Jésus, Franziskanerin Missionarin Mariens, uns helfen, sich des Wunders des Lebens bewusst zu werden. Es hat wert, so zu leben!

 

 

 

 

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